Wie alles anfing (R.W. Schulze)

Bekenntnisse eines Gründungsvaters

Ich war damals (1972-1981) Student der Sozialwissenschaften und Publizistik in Göttingen, als wir ca. 1975 mit einer Handvoll Freunden den „HIERO ITZO“, die erste Programm- und Kulturzeitschrift in Göttingen gründeten. Die Redaktion war damals mit einem kleinen Büro in der Burgtasse im Hinterhof präsent. Ich gehörte nicht zum Kern-Gründerteam: „Jockel Winters, Gerd Hahn und Martin Schmidt“, sondern ich bin ca. ein halbes Jahr nach Gründung der Zeitung dazu gestoßen.
Der „Stadtführer „war ein für den Leser kostenloses Werk, hatte sich über die platzierte Werbung finanziert und das Büchlein lag überall in Göttingen aus (Universität, Mensen, Unigebäude, Buchläden, Studentenclubs, etc.).
Die 58 Seiten waren gefüllt mit Adressmaterial von Freizeit und Disco-Betrieben aus der Stadt. Insgesamt war das der erste „Ausflug“ der HIERO-ITZO-Redaktion“ in neue publizistische Projekte. Der Anspruch an den Inhalt war nicht besonders groß. Wichtig war uns, einmal ein „Branchenbuch mit Adressen aller Kulturschaffenden und Freizeit-Unternehmen zu sammeln und als Adreß-Alamanach herauszubringen“.
Diesem geringen Anspruch wurde der Stadtführer voll und ganz gerecht. Wichtig für alle Beteiligten war auch die Erfahrung, inwieweit kostenlose Publikationen von den Rezipienten überhaupt angenommen und Ernst genommen werden. Wie sich damals herausstellte war die kostenlose Verteilung kein Makel, der Rückschlüsse auf die mangelnde Inhaltsqualität zuließ!
In dieser Zeit wuchsen in vielen Studentenstädten die ersten Stadtzeitschrift-Projekte. In Berlin gab es dann auch ein bundesdeutsches Treffen vieler Redaktionen. Schwierig war dort die allgemeine Einigung, ob und wie man sich mit Werbung finanzieren kann oder sollte. 
Die entscheidende Frage, die nie insgesamt bundeseinheitlich durch alle alternativen Redaktionen geklärt werden konnte war, ob man Werbeanzeigen von Coca Cola und von Zigarettenunternehmen akzeptieren sollte.
Wen es interessiert: ich habe noch eine Version des Stadtführers im Regal.
gez. Prof. Roland W. Schulze, Bremen, den 20.10.2015
Roland W. Schulze,
z.Zt. in Bremen